Kilian Kerner 2013: Der Erfolgsträumer

Seine Mode steht für Emotion, für Ausdruck. Für den 34-jährigen deutschen Erfolgsdesigner Kilian Kerner sind Gefühle Inspiration und Stilelement zugleich. Auf der Berliner Fashion Week im Juli 2013 ist er zum elften Mal mit einer Kollektion vertreten und stellt damit einen Rekord unter deutschen Designern auf. Wer unter dem Titel „Hört nicht auf mit träumen“ nur Kitsch vermutet, wird schnell eines Besseren belehrt. Die Marke ist profiliert, die Kollektionen werden stets mit Spannung erwartet und das Unternehmen erlebt ein beachtliches internationales Wachstum.

Kilian Kerner auf Expansionskurs

Aus dem Schauspielstudium wurde nichts, dafür steht der gebürtige Kölner mit seinen Entwürfen heute auf den zweitwichtigsten Brettern dieser Welt. Nachdem er in den vergangenen Jahren die Laufstege der kontinentaleuropäischen Fashionmetropolen erobert hat, wird er im September dieses Jahres auf der London Fashion Week debütieren. Erst Anfang 2013 hatte Killian die ersten Shops im Vereinten Königreich eröffnet.

Das börsennotierte Unternehmen verbuchte 2012 eine stattliche Steigerung des Umsatzes von knapp 300.000 auf etwa fünf Millionen Euro. Neben der Premiummarke „Kilian Kerner“ vertreibt das Label die Linie „Kilian Kerner Senses“, das Kleidung für jeden Tag mit dezenten Laufsteg-Elementen kombiniert. Das 2004 gegründete Designerlabel bringt pro Saison vier komplette Kollektionen auf den Markt, zwei für jede Linie.

Die Kollektion, die Kilian auf der Berliner Fashion Week im Juli 2013 vorstellte, „spielt in einer Welt, in der alles passieren kann, passieren darf und auch passiert“, so der Designer. Sich immer wieder von Konventionen zu befreien, sei die ständigeIdeengrundlage seiner Entwürfe.

Hör nicht auf mit Träumen

Seine vergleichsweise schlichten Schnitte werden 2013 mit Patchwork, Mustern und Formen zu Kreationen kombiniert, die auf die Attraktion im Detail setzen. Bei den Farben ist alles recht, was keiner Erklärung bedarf: So finden sich neben Rot und Schwarz auch Metallic-Farben. Goldglanz gehört ebenfalls zum Repertoire, das etwa als handgroße Rauten auf einem Kleid so fasziniert, dass die zugehörigen Nike Air Max in Glanzoptik beinah gewöhnlich wirken.

Überhaupt scheint in der Modewelt das Träumen die Grundlage allen Schaffens. Wer Erfolg will, so scheint es, lebt nicht im hier und jetzt. Kilian wirkt dabei nicht wie aus der Zeit gefallen, sondern vielmehr der Zeit enthoben, tatsächlich frei und ungezwungen. Lange musste sich Kilian anhören, er sei ja kein richtiger Designer und hätte nur Erfolg, weil Nena und Karoline Herfurth seine Kreationen mochten. Alle Unkenrufe zu seiner Person und seinem Schaffenzerrieb der zierliche Designer mit harter, kontinuierlicher Arbeit.Den ersten Urlaub seit 8 Jahren habe sich Kerner Anfang des Jahres in den USA gegönnt, wo er ohne Navi, ohne Zeitdruck und ohne Ziel in den Tag hineinfuhr.

Mag das Traummotiv im ersten Moment als kitschig erscheinen, kommt es den neuen Entwürfen vermutlich näher als jedes andere Laufsteg-Vokabular. Außerdem: Sind nicht Träume seit jeher die härteste Währung im Modegeschäft?